Wert grob schätzen
Geprüfter Ratgeber für Österreich

Methodik des Promillerechners: Formel, Annahmen und Grenzen

Der Promillerechner ermittelt zuerst Gramm reinen Alkohol und berechnet daraus mit einer Widmark-Näherung einen theoretischen Bereich. Er verwendet unterschiedliche Verteilungs- und Abbauannahmen, damit keine Scheingenauigkeit entsteht. Das Ergebnis ist weder Messwert noch Diagnose und darf niemals verwendet werden, um eine Fahrentscheidung oder eine „nüchtern ab“-Uhrzeit festzulegen.

Von Leo Kobes · Inhaltlich geprüft: 23. September 2026 · Quellenstand sichtbar
Laboranalyse als Symbol für transparente Berechnungsgrundlagen und deren Grenzen

Direkte Antwort

Die Berechnung besteht aus drei Schritten: Gramm Ethanol im Getränk bestimmen, diesen Wert mit Körpergewicht und einem angenommenen Verteilungsfaktor nach Widmark in Beziehung setzen und einen statistischen Abbau über die verstrichene Zeit abziehen. Mehrere Annahmen erzeugen eine Bandbreite statt eines scheinbar exakten Ergebnisses.

Das Wichtigste in Kürze

  • Getränkedaten werden mit der Ethanol-Dichte 0,789 g/ml in Gramm Alkohol umgerechnet.
  • Das Modell verwendet für den Verteilungsfaktor einen Bereich von 0,55 bis 0,75.
  • Die derzeitige Implementierung rechnet mit 0,10 bis 0,15 Promille Abbau pro Stunde.
  • Unbekannte Resorption, Körperzusammensetzung, Gesundheitszustand und Medikamente bleiben wesentliche Unsicherheiten.
  • Das Ergebnis ist keine Messung und keine Fahrfreigabe.

Schritt 1: Gramm reinen Alkohol berechnen

Für jedes Getränk gilt:

A (g) = Menge (ml) × (Vol.-% ÷ 100) × 0,789 g/ml × Anzahl

0,789 g/ml ist die näherungsweise Dichte von Ethanol bei 20 °C. Die Alkoholmengen aller eingegebenen Getränke werden addiert. Tatsächliche Glasgrößen und Volumenprozent können von Vorlagen abweichen; Mischgetränke sind besonders fehleranfällig. Die eigenständige Seite Reiner Alkohol in Getränken zeigt diesen ersten Schritt mit einem separaten Live-Rechner.

Schritt 2: Widmark-Näherung

Vereinfacht folgt das Modell dieser Struktur:

BAK (‰) ≈ A ÷ (r × Körpergewicht in kg) − Abbau

r ist ein Modellfaktor für die Verteilung des Alkohols im Körperwasser. Der Rechner zeigt einen neutralen Bereich von 0,55 bis 0,75, statt aus einer einzigen Angabe zu Geschlecht oder Körpergewicht eine scheinbar individuelle Körperzusammensetzung abzuleiten. Für die obere Schätzung wird der kleinere Faktor verwendet, für die untere der größere.

Das Modell ist keine physiologische Simulation. Fett-, Muskel- und Wasseranteil, Alter, Erkrankungen und andere Faktoren werden nicht gemessen. Deshalb kann auch eine breite Bandbreite den tatsächlichen Wert verfehlen.

Schritt 3: Zeit und Abbau

Die aktuelle Rechnerimplementierung zieht für die Bandbreite 0,10 bis 0,15 Promille pro berücksichtigter Stunde ab. Das öffentliche Gesundheitsportal nennt für die medizinische Durchschnittsorientierung einen Bereich von ungefähr 0,1 bis 0,2 g/L Blut pro Stunde und betont erhebliche individuelle Unterschiede. Einheit, Modell und individuelle Biologie dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Der Rechner verwendet die Zeit zwischen angegebenem Konsumbeginn und Berechnungszeitpunkt, maximal 24 Stunden. Diese Vereinfachung berücksichtigt nicht exakt, wann jedes einzelne Getränk aufgenommen wurde und wann der persönliche Spitzenwert erreicht war. Das Ergebnis kann daher weder eine konkrete Blutprobe vorhersagen noch eine verlässliche Uhrzeit nennen.

Wie die angezeigte Bandbreite entsteht

Unterer ModellwertOberer Modellwert
größerer Verteilungsfaktor: 0,75kleinerer Verteilungsfaktor: 0,55
schnellerer angenommener Abbau: 0,15 ‰/hlangsamerer angenommener Abbau: 0,10 ‰/h
Minimum wird bei 0 begrenztkeine Aussage über mögliche individuelle Überschreitung

Die Bandbreite ist ein Transparenzinstrument, keine statistische Garantie. Insbesondere Glasgrößen, Alkoholgehalt, Aufnahmephase und Körperzusammensetzung können dazu führen, dass ein realer Messwert außerhalb der Spanne liegt.

Was bewusst nicht berechnet wird

  • keine Fahrtüchtigkeit und keine „fahrbereit ab“-Zeit;
  • keine Wechselwirkungen mit Medikamenten oder Erkrankungen;
  • keine Diagnose einer Vergiftung oder Abhängigkeit;
  • keine rechtssichere Prognose für eine amtliche Atem- oder Blutmessung;
  • keine individuelle Resorptionskurve oder exakte Zeit des Höchstwerts.

Alle Eingaben werden lokal im Browser ausgewertet. Der Rechner soll Größenordnungen verständlich machen und zur vorsichtigen Entscheidung beitragen. Nach Alkoholkonsum nicht fahren.

Modellstand und Änderungsregel

Dokumentierter Modellstand: 23. September 2026. Formel, Faktoren und JavaScript müssen gemeinsam versioniert werden. Ändert sich eine Annahme, werden Methodik, Rechnercode, Quellenstand und Änderungsdatum im selben Release aktualisiert. So bleibt überprüfbar, welches Ergebnis mit welcher Modellversion entstanden ist.

Nachvollziehbares Rechenbeispiel

Zwei halbe Liter Bier mit jeweils 5 Vol.-% enthalten im Modell rund 39,45 g reinen Alkohol: 500 ml × 2 × 0,05 × 0,789. Bei 80 kg Körpergewicht und vier Stunden berücksichtigter Zeit ergibt die aktuelle Implementierung für den unteren Modellwert 39,45 ÷ (80 × 0,75) − (4 × 0,15), also rund 0,06 Promille. Der obere Modellwert ist 39,45 ÷ (80 × 0,55) − (4 × 0,10), also rund 0,50 Promille.

Diese große Spanne ist die eigentliche Aussage des Beispiels: Selbst mit identischen Eingaben verändern Modellannahmen das Ergebnis erheblich. Hinzu kommen reale Unsicherheiten, die der Rechner nicht kennt. Der Wert darf daher nicht als persönliche Vorhersage gelesen werden.

Eingaben und technische Prüfung

Der Rechner akzeptiert Körpergewicht von 35 bis 250 kg, Getränkemengen bis 5.000 ml pro Eintrag, Alkoholgehalte bis 96 Vol.-%, Stückzahlen bis 30 und Zeiträume bis 24 Stunden. Ungültige oder fehlende Angaben führen zu „Eingaben prüfen“ statt zu einem Ergebnis. Zeitangaben über Mitternacht werden als Folgetag behandelt.

Für die Qualitätssicherung gehören zu jeder Änderung automatisierte Tests mit bekannten Eingabewerten, Prüfung der Dezimaldarstellung, Mitternachtsfälle, Nullbegrenzung und Vergleich zwischen sichtbarer Methodik und JavaScript. Eine erfolgreiche Rechnung bedeutet nur, dass das Modell technisch ausgeführt wurde – nicht, dass es medizinisch individuell stimmt.

Datenschutz und lokale Verarbeitung

Körpergewicht, Zeit und Getränke sind sensible Alltagsangaben. Die Berechnung soll deshalb vollständig im Browser stattfinden. Eingaben werden weder an den Server gesendet noch in die URL geschrieben. Nach dem Neuladen sind sie nicht als persönliches Profil verfügbar. Die allgemeine technische und rechtliche Beschreibung steht unter Datenschutz.

Klare Trennung der Werkzeuge

Der Promillerechner schätzt eine theoretische Bandbreite. Der Rechner unter Reiner Alkohol in Getränken ermittelt nur Gramm Ethanol. Der Atemalkohol-Konverter übersetzt ausschließlich die rechtlich zugeordneten Einheiten. Keines dieser Werkzeuge misst eine Person oder erteilt eine Fahrfreigabe.

Häufig gefragt

Fragen zur Rechenmethodik

Warum zeigt der Rechner keinen exakten Einzelwert?

Weil wesentliche persönliche Faktoren nicht gemessen werden. Ein einzelner Wert würde eine Genauigkeit vortäuschen, die das Modell nicht leisten kann.

Warum wird die Widmark-Formel verwendet?

Sie bietet eine nachvollziehbare theoretische Näherung aus Alkoholmenge, Körpergewicht und Verteilungsannahme. Sie ersetzt keine Atem- oder Blutmessung.

Kann die tatsächliche Messung außerhalb des Bereichs liegen?

Ja. Getränkeangaben, Resorption, Körperzusammensetzung, Trinkverlauf und Abbau können vom Modell abweichen.

Berechnet der Rechner, wann ich fahren darf?

Nein. Eine solche Uhrzeit wird bewusst nicht ausgegeben. Nach Alkoholkonsum bleibt das Fahrzeug stehen.

Quellen und Stand

Berechnungsmodell und Quellen geprüft am 23. September 2026. Historische Grundlage: Erik M. P. Widmark, theoretische Grundlagen der gerichtlich-medizinischen Alkoholbestimmung.

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Sicherheitshinweis
Nach Alkoholkonsum nicht fahren. Rechner und private Geräte liefern keine Fahrfreigabe. Kein privates Gerät entscheidet, ob du ein Fahrzeug lenken darfst.